Skate Sells, Skateboards in der Werbung

Skate Sells

Wer ein wenig durch die Kanäle zappt oder den Schaufenstern in Einkaufsstrassen etwas Aufmerksamkeit schenkt, stösst mit ziemlich grosser Wahrscheinlichkeit irgendwo auf eine Werbung mit einem rollbrettfahrenden Kind oder einem Mallgrabenden Modell. Und von Influencern auf Instagram, die beim Promoten irgendeiner Kleiderlinie auf das Flair eines Skateboards setzen, wollen wir gar nicht erst anfangen. Skateboards scheinen bei Marketing-Departments relativ hoch im Kurs zu stehen, was wohl auf die allgemein (wiedermal) wachsende Beliebtheit unseres Stückchen Holz zurückzuführen ist. Zwischen lieblos platzierten Skateboards finden sich auch einige durchaus gelungene Werbungen. Ich habe mich mal durch einen Berg an Werbespots und Social-Media Ads gewühlt und ein paar der Unternehmen, die mit Skateboards oder einem Skater für ihr Produkt oder ihre Dienstleistungen werben angeschrieben und gehofft, dass diese mir ein wenig Einsicht in die Denkprozesse hinter diesen Werbungen geben könnten, die über „Skateboards sind cool und hip“ hinausgeht. Leider konnten/wollten uns von den angeschriebenen Firmen bloss zwei Auskunft geben, hier also ein grosses Dankeschön an diese.
AXA Deutschland hat am 18. Mai, bzw. am 1. Juli 2017 diese Beiträge auf Facebook veröffentlicht:

18920710_1953691804902179_2426654043102465056_n ©Facebook AXA Deutschland

Das freundliche Social-Media-Team liess mir auf meine Anfrage folgendes zukommen:

Was repräsentiert ein Skateboard oder ein Skater für sie ganz allgemein?
Skateboarden ist mehr als nur ein Sport. Es ist auch Ausdruck eines urbanen Lebensstils. Es geht um Lebensfreude, Abenteuerlust und Zugehörigkeit zu einer Szene, weniger um die Fortbewegung selbst.
Welche Werte, die sie mit Skateboarden in Verbindung bringen, passen auch zu Ihrem Unternehmen?
Skateboarden wird assoziiert mit Selbstbestimmtheit, Leidenschaft und Lebensfreude. Bei AXA stellen wir unsere Kunden und ihren Bedarf konsequent in den Fokus. Wir sind weit mehr als ein Regulierer, der im Schadenfall zahlt, sondern ein verlässlicher Begleiter in Sicherheitsfragen. Als Versicherer möchten wir, dass unsere Kunden unbesorgt ihren Leidenschaften nachgehen können. Wir geben Sicherheit und sind für alle da, die ihre Leidenschaft ausleben wollen.
Gibt es einen speziellen Grund, einen Skater oder eine Skaterin zu verwenden, anstelle eines Rollschuh oder Scooter Fahrers?
Das Motiv „Aufstehen, Zähne richten und weiter geht’s“ ist Teil unserer #machwasduliebst-Kampagne zum Thema Leidenschaft auf Facebook. Andere Motive zeigen darüber hinaus Surfer und Biker, alles Sportarten für Menschen mit Leidenschaft.

Wessen Aufmerksamkeit soll mit der Darstellung von Skateboards konkret gewonnen werden?
Die #machwasduliebst-Kampagne richtet sich an die Zielgruppe der 18-29 Jährigen.

Glauben Sie, ein Skater ruft bei allen Betrachtern dieselben Konnotationen hervor?
Vermutlich nicht.
Spezifisch auf die am 1. Juli gepostete Werbung bezogen: Wieso ein Bild verwenden, das mit Photoshop zusammengestellt wurde, anstelle eines authentischen Skate-Fotos, wie man sie in Werbung für Skateboard-Produkte findet?
Das Motiv ist Teil unserer #machwasduliebst-Kampagne. Wir haben bewusst ein Motiv gewählt, welches Leidenschaft und Authentizität verbindet und dennoch zur Bildsprache der Kampagne passt. Der rote AXA Switch erhöht den Wiedererkennungswert.

Leider gab es bei der letzten Frage keine Antwort darauf, wie sich der Skater auf Bild 1 beim Melon to Fakie nicht die Kniescheiben rausgehauen hat, als er den freien Fall ins Flat abfedern musste, sondern bloss ein wenig zusätzliche Werbung für #machwasduliebst.
Insgesamt hat sich AXA aber die Mühe gemacht, mir einen Einblick in die Denkweise zu geben, durch die Skateboards ihren Weg in diese Ads gefunden haben.

Der zweit Konzern, der sich diese Mühe gemacht hat, ist die Wander AG, die die gute alte Ovomaltine herstellt, weshalb ich gleich doppelt danken muss. Für ihre Ovo Rocks Werbung haben sie sich ein paar Skater gesucht, die einem anderen Skater zuschauen, wie er versucht einen Kickflip im Flat zu filmen, was jedoch an der mangelnden Aufmerksamkeit des Filmers scheitert. Ooh wie wir diesen Moment doch lieben (es isch aaallles druff…).

Das Ovo Team hat einen Absatz geliefert, in dem es erklärt, wie genau diese Werbung zu Stande kam:

Generell ist es uns wichtig, mit Ovomaltine aktive, positive Leute anzusprechen. Die Werte die wir vermitteln wollen sind: zusammen Spass haben, aktiv sein, etwas erleben, Lebensfreude. Dies soll auch in unseren TV Spots vermittelt werden.
Mit unserem neusten Ovomaltine Produkt ovo rocks, wollen wir zudem eine junge Zielgruppe ansprechen. Wir haben uns für den TV Spot für ein urbanes und nicht ländliches Umfeld entschieden. Für all dies hat die Umsetzung im Skater Umfeld wunderbar gepasst.
Weshalb wir uns für Skater und nicht für Rollschuh oder Scooter entschieden haben: Dies war ein Entscheid der Kreativagentur. Sie waren der Meinung, dass die Idee vom Trick, bei dem der Hauptdarsteller immer wieder versagt, mit einem Skater am besten umzusetzen sei.
Wir haben für den Spot mit Douwe Macare (Halbprofi, NL) zusammengearbeitet. https://www.skatedeluxe.com/blog/de/skatedeluxe-team/skate-team-2/douwe-macare/

Obwohl es schön gewesen wäre, Statements von mehr Firmen zu bekommen, fassen diese beiden Erklärungen wohl schön zusammen, wofür Skateboards, zumindest im Marketing, heutzutage stehen: Nicht etwa Chaotentum, Unfug, Herumhängen oder gar Rebellion oder Vandalismus, nein, es wird mit Lebensfreude, Aktivität, Jugend und Leidenschaft assoziiert. Eigentlich doch schön, nicht?

(Weitere Beispiele: Allsecur KfZ-Versicherung Nissan Qashqai

22 August of 2017

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