Mama, Wo kommen Skatehallen her?

Mama, wo kommen Skatehallen her?

Durch die Freestyle Halle Zürich und ihr Isolationsproblem sind Indoor-Skateparks vor ein paar Wochen für kurze Zeit ins öffentliche Interesse gerückt. Das Team der Freestyle Halle, dessen Anliegen von der Zürcher SP unterstützt wird, konnte für seine Petition innert zwei Wochen mehr als 5000 Unterschriften aus der ganzen Schweiz sammeln und hat diese bereits dem Zürcher Stadtrat überreicht.

Wie sieht es anderswo im Moment so aus? Zur Zeit sind in der Schweiz je nach Quelle zwischen 15 und 20 indoor Freestyle Anlangen verschiedener Grösse in Betrieb. Diese Zählungen beinhalten alles von grossen, gut ausgestatteten Hallen wie etwa den Rolling Rock in Aarau, die Trendsporthalle Basel, La Fièvre in Lausanne, den Skillspark Winterthur oder die Freestyle Academy in Laax, bis hin zu kleinen, kalten, provisorischen oder undichten Überdachungen wie in Widnau, die Winterhalle in St.Gallen, etc. Die Listen sind jedoch auf der einen Seite wahrscheinlich nicht komplett, auf der anderen aber auch schon so veraltet, dass etwa die WESK Halle in Buchs, die seit 8 Jahren geschlossen ist, immer noch aufgelistet ist.

Genau dieser Fehler könnte aber schon bald wieder der Realität entsprechen. Nach ein paar Jahren erfolgloser Suche steht nun die Möglichkeit im Raum, in der alten WESK Halle, wo seit deren Schliessung 2011 mehrere Clubs ihr Glück nicht finden konnten, erneut eine Skatehalle entstehen zu lassen. Legenden besagen, dass manchmal ohne Probleme eine geeignete Halle gefunden wird und ein neuer Indoor-Park gebaut werden kann, ehe der Grossteil der Skater überhaupt weiss, dass daran gearbeitet wurde. Dies trifft jedoch auf den Fall WESK überhaupt nicht zu. Der folgende Artikel soll aufgrund der Erfahrungen die der Werdenberger Skateboard Verein in den letzten 3 Jahren gesammelt hat ein paar Anhaltspunkte für all diejenigen liefern, die sich ebenfalls hallenlos finden und gerne etwas dagegen tun würden. Wer immer auf dem neusten Stand zur hoffentlich baldigen Wiederbelebung dieser vielgeliebten Halle bleiben will, tut das am besten über ihre Facebook Seite

1.Organisiert euch
Viele Skater haben bereits Mühe damit einen Ausflug in die nächste Stadt zu organisieren. Doch wer mit Vermietern, Stadträten und Gemeinden verhandeln muss, braucht ein Mindestmass an Struktur. Wer Glück hat findet vielleicht eine bereits bestehende Organisation, wie zum Beispiel die städtische Jugendarbeit, die Zeit und Motivation aufbringen kann, sich um Skateboard-Angelegenheiten zu kümmern. Auch ein in der Region bekannter Skateshop kann ein guter Startpunkt für ein wenig Struktur und Seriosität im öffentlichen Auftreten sein. Oft wird dies aber nicht der Fall sein und man ist mehrheitlich auf sich selbst gestellt. Dann gilt:

2.Gründet euren eigenen Verein
Findet man eine kleine Menge an mehr oder weniger zuverlässigen Rollbrettlern, ist die Vereinsgründung eine relativ kurze und unkomplizierte Sache. Dies mag vielen Skatern zwar gegen den Strich gehen, hilft jedoch gewaltig. Die Konkreten organisatorischen Vorteile beinhalten die Nennung des Vereins als Mieter der Halle, geregelte Aufteilung von anfallenden Pflichten oder vereinfachter Informationsaustausch. Hauptsächlich wichtig, besonders am Anfang, ist jedoch der Eindruck nach aussen. „Wir sind ein paar Skater die gerne diese Halle mieten würden, um darin einen Skatepark für uns und ein paar andere zu betreiben,“ klingt in den Ohren eines Vermieters bestimmt anders als „Wir sind der Skateboard-Verein Hinter-Äuli-Rietli und würden gerne diese Halle mieten, um darin einen Skatepark für unsere Mitglieder und die Region zu betreiben.“ Ausserdem wird man ja nicht zur SSA, sondern kümmert sich so um das Wohl der Szene. Für einen Skateboard-Verein sind jedoch Verbindungen zu bereits etablierten Jungendarbeiten, Kulturvereinen oder auch direkt zu Verwaltungsmitgliedern von Stadt oder Gemeinde von unschätzbarem Wert. Zu richtigen Erwachsenen sozusagen.

3.Statuten und weitere Dokumente
Bestimmte Dokumente sollten immer bereit stehen. Jeder Verein braucht Statuten, welche potentielle Vermieter auch gerne mal einsehen wollen. Besonders wichtig ist deshalb, dass der Vereinszweck genau und natürlich in einer Weise die keinen Zweifel am Wert eures Vereins für die Öffentlichkeit zulässt, beschrieben wird. Weiterhin sollte man von Anfang an Sponsorendossiers zum Anwerben neuer Sponsoren aufsetzen, sowie eine fortlaufend aktualisierte Budgetplanung führen. Diese Dokumente können von grossem Einfluss auf die Wahrnehmung des Vereins in der Öffentlichkeit sein. Von hier weg beginnt der in den meisten Fällen schwierigste Teil:

4.Die Finanzierung
Angenommen man findet eine Halle deren Vermieter grundsätzlich interessiert sind, diese für eine indoor Anlage herzugeben, findet man sich meistens mit Mieten konfrontiert, die für die einzelnen Mitglieder des Vereins nie und nimmer tragbar wären. An diesem Punkt kann man sich für fast nichts zu schade sein und klopft einfach überall mal an. Im Idealfall entscheiden sich natürlich Stadt oder Gemeinde dazu, das Projekt finanziell zu unterstützen. Diese (falls geleistete) Unterstützung deckt aber meistens nicht alles ab. Es gilt also private Sponsoren an Land zu ziehen. Tobt euch aus. Versicherungen, Baufirmen, Detailhändler, Red Bull, was immer euch euer Gewissen eben erlaubt.

Kompliziert wird es vor allem dann, wenn die Vermieter zuerst das Geld sehen, die potentiellen Sponsoren aber das Projekt zuerst im Trockenen wissen wollen… Hier ist etwas Verhandlungsgeschick gefragt. Ebenfalls ist an dieser Stelle wichtig immer die vorher genannte Budgetplanung mit den erwarteten Einnahmen etc. bereit zu halten.

Crowdfunding nicht vergessen. In den letzten paar Jahren wurde Crowdfunding fast zum Standardmittel für die Finanzierung von Projekten im Bereich Sport, Kunst und Kultur. Die Trendsporthalle Basel hat’s vorgemacht.
Mit etwas Glück findet man sogar eine öffentliche oder private Stiftung, deren Auflagen es erlauben, ein Skatepark-Projekt finanziell zu unterstützen.

Ausserdem zu beachten: Die lokalen Medien sind euer Freund. Aufmerksamkeit und Interesse am Indoor-Projekt unter Nicht-Skatern zu erzeugen, ist von zentraler Bedeutung. Dies geschieht vielerorts immer noch am effektivsten über Lokalzeitungen (Ausser man schafft es wie die Freestyle Halle Zürich bis zum SRF). Es bräuchte schon verdammt verbohrte Journalisten, um die Anstrengungen von Jugendlichen (und Junggebliebenen) ihr Hobby an einem schneefreien und trockenen Ort ausüben zu können in einem negativen Licht darzustellen. Im Falle Wesk war das Volksblatt die erste Zeitung, die von sich aus das Thema aufgriff.

5.Beharrlichkeit und Geduld
Erfolg ist leider nie garantiert. Einmal wird einem die Halle am Tag der Vertragsunterzeichnung noch unter der Nase weggezogen, ein anderes Mal braucht es mehrere Anläufe von verschiedenen Personen um Partner von einer Zusammenarbeit zu überzeugen.
Sollte man angeblich in einer Woche Rückmeldung erhalten, werden es ziemlich sicher zwei. Heisst es, die Gemeinderäte werden sich an einem bestimmten Datum entscheiden, kann man sich sicher sein, dass an diesem Datum bloss entschieden wird, dass man sich noch nicht entschieden hat. Ruhig 1, 2, 3, ruhig 1, 2, 3…
Meistens kann man halt nicht viel mehr machen als Geduld haben und dran bleiben, bis zu allem Einsatz noch das nötige Quäntchen Glück hinzukommt.

26 Februar of 2019 by

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